Derbytime im Halbfinale der Österreichischen Bundesliga

Mit breiter Brust erwarteten die Villacher den letztjährigen Finalisten KAC.
Nach tollen Spielen gegen Wien und Skofja Loka im Halbfinale und Finale der IFL war man, nach einer starken Trainingswoche, grundsätzlich bereit für das Duell mit dem Erzrivalen.
Und vor allem nach dem Halbfinal-Debakel im Vorjahr war man auf Revanche aus.
 


Alles war angerichtet: Volles Haus – tolle Stimmung

Es war tatsächlich alles angerichtet, um die tollen Leistungen der letzten Wochen fortzusetzen. Die Halle war voll mit insgesamt 350-400 Floorballfans aus Villach und Klagenfurt und die Stimmung hätte besser nicht sein können.
Um das Finale der österreichischen Bundesliga zu erreichen sind 2 Siege notwendig. Den Grundstein dafür wollten die Mannen in Blau-Weiß zu Hause legen, um dann in der Fremde bereits einen Matchball zu haben und im äußersten Notfall dann eine Woche darauf zu Hause den Sack zuzumachen.


Nervöser Start

Der Start in das Spiel war geprägt von individuellen Fehlern und man merkte den Villachern an, dass sie nervös waren.
KAC überraschte mit druckvollem, körperbetontem Pressing nach vorne.
Daraus resultierend auch die Fehler der Blau-Weißen, die die Klagenfurter immer wieder gefährlich vor das Tor von MVP Timmo Taurer kommen ließen.
So dauerte es auch nicht lange bis das erste Tor der Gastgeber fiel: Andreas Pfeifer mit dem Reboundtreffer in Minute 2.
Das Spiel war wie in einem Derby üblich sehr ruppig, wo wirklich um jeden Zentimeter gekämpft wurde.
Wobei man dazusagen muss, dass der VSV nicht wie gewohnt in die Zweikämpfe fand und immer um einen Schritt zu langsam war.
Allerdings hatte man gleich nach dem Führungstreffer die Chance auf den Ausgleich in einem 2 Minuten Powerplay. Die Draustädter blieben aber weitgehend ungefährlich. Nach 12 Minuten im 1. Drittel konnte sich Taurer ein weiteres Mal auszeichnen und parierte in souveräner Manier einen Penaltyshot der Klagenfurter.
12 Sekunden später eine kuriose Entscheidung der Schiedsrichter und das daraus folgende Unterzahlspiel der Villacher: Helmut Koloini rutschte bei einem Konter aus und musste daraufhin 2 Minuten wegen Bodenspiels auf die Strafbank.
Das Boxplay hielt Stand und so blieb es beim 0:1 aus Sicht der Heimmannschaft.
In Minute 16 ließ Timo Schmid endlich die Heimfans jubeln. 1:1.
Leider eine Minute später schon die erneute Führung der KACler. 3 hochkarätige Chancen der 1. Linie wurden leider leichtsinnig vergeben und so ging es mit eine 1:2 Rückstand zum Pausentee.


Weckruf durch Kapitän Raab in der Kabine

In der Kabine der Blau-Weißen ging es dann laut zur Sache. Kapitän und Routinier Raab versuchte mit lauten und ehrlichen Worten seine Mannschaft wach zu rütteln.
Leider ohne Wirkung.
Ganz im Gegenteil: Man wirkte an diesem Tag einfach viel schwächer und langsamer als der Erzrivale aus Klagenfurt. Es kam nie wirklich ein flüssiges Spiel zu Stande, wo man langfristig den Gegner in die eigene Hälfte drücken konnte.
Zwingende Torchancen bleiben ebenso aus. KAC konterte gut und erhöhte den Vorsprung in Drittel 2 auf 1:4.
 


Letzten Kräfte wurden mobilisiert

Im Schlussdrittel keimte nach dem 2:4 in Minute 49 (erneut Topscorer Schmid) nochmals Hoffnung auf. Nur eine Minute später wurde diese aber sehr zum Leid der Villacher Fans in Form von Krametter und IFL Topscorer Haimburger wieder geraubt.
Aufgeben war aber noch nie im Wortschatz der Blau-Weißen und so warf man nochmals alles nach vorne. Obwohl man keine Glanzleistung in der Offensive sehen konnte, wurden nochmals 2 Tore (Schmid, 53‘; Raab 55‘) erzwungen.
Nach einem Timeout wurde immer wieder Taurer vom parkett geholt, um einen 6. Feldspieler Richtung gegnerisches Gehäuse zu senden. Ohne Erfolg.
4:6 war der Endstand, wobei man dazusagen muss, dass das Ergebnis an diesem Tag dem VSV sehr schmeichelt. Um nicht vorzeitig auszuschneiden, ist nun ein Sieg auswärts in Klagenfurt Pflicht.
 


Reaktionen:

 

Trainer, Martin Fitzko:
KAC war taktisch perfekt auf uns eingestellt und hat uns dadurch zu unnötigen Fehlern gezwungen. Auch körperlich und läuferisch waren sie uns überlegen.
 

Kapitän, Daniel Raab:
KAC war auf das ganze Spiel gesehen besser, das stimmt. Aber verstecken brauchen wir uns auf keinen Fall, weil die Chancen waren da und werden auch am Samstag da sein. Der Kopf bzw. der Wille werden entscheidend sein. Beide Mannschaften spielen auf hohem Niveau.
Center, Thomas Seebacher
Leider verlief das Spiel von Anfang an für uns nicht wie geplant. Trotz relativ guter Leistungen und einer guten Stimmung im Team aus der jüngsten Vergangenheit, zeigten wir zu wenig Konsequenz in der Defensive als auch in der Offensive. Ich denke, dass der Wille das war, aber wir uns in vielen Situation für die falschen Dinge entschieden haben und zu wenig abgeklärt gegenüber den motivierten Klagenfurtern agiert haben.
Wir haben aber im Laufe des Spiels bewiesen, dass wir trotzdem bereit sind zu kämpfen, was manchmal mehr und manchmal weniger belohnt wird. Allerdings ist es genau diese Einstellung mit der wir in das nächste Spiel gehen werden. Wer diese Serie gewinnt, kann ich nicht sagen, aber ich kann versprechen, dass es aus Villach keine Geschenke mehr gibt.

 

 

Flügel, Helmut Koloini:
Enttäuschend wie wir als VSV aufgetreten sind.
Die alten Tugenden, die uns jahrelang so stark gemacht haben, wie Herz und Leidenschaft werden momentan nicht aufs Parkett gebracht.
Von der 1. Minute an, habe ich bei mir selbst, als auch beim Rest des Teams gemerkt, dass nichts zusammengeht.
Wichtig wird es nun sein, dass wir den Kopf ausschalten und endlich wieder mal mit Leidenschaft Hockey spielen, wie wir es vor Jahren immer gemacht haben.
Spielen, weil es unsere Lieblingsbeschäftigung ist und nicht weil es unsere Pflicht als Vereinsmitglied ist.
Wenn der Spaß in jede einzelne Linie zurückkehrt, kehrt auch der Erfolg in der Mannschaft zurück. Merke ich auch in meiner Linie. Sobald wir Spaß haben, ist es ein Zeichen, dass es gut läuft. Wir sind lockerer und uns gelingen sensationelle Tore, die uns dann wiederrum antreiben.
Jetzt geht es erst richtig los, genau für solche Spiele, bin ich ligamäßig bei einem Verein und nicht nur bei irgendwelchen Micky Mouse Turnieren.
Jetzt heißt es Herz zeigen ! ! !

 


Verteidiger, Michael Kanduth
Wir waren aus den letzten Spielen sehr gut eingestellt und motiviert. Der Sieg gegen Wien im Halbfinale der IFL und das Topspiel gegen Skofja ließen uns zuversichtlich ins Halbfinal Playoff der österreichischen Bundesliga starten.
Der KAC startete aggressiv und setzte uns von Beginn an unter Druck und zwang uns zu Fehlern.
Unsere vorgenommene Taktik konnte nicht umgesetzt werden.
Die KACler waren perfekt auf uns eingestellt und haben sehr viele Versuche das Spiel zu drehen, abgewehrt.
Schlussendlich muss man sagen: Sie waren im 1. Spiel stärker.
Sie sollten sich aber nicht in Sicherheit wiegen, denn wer uns kennt, weiß, dass wir nach einer Niederlage stärker zurückkommen und den Titel heuer unbedingt wieder nach Villach holen wollen.


Verteidiger, Nikolas Velikogne:
Die Klagenfurter waren einfach besser und haben verdient gewonnen.
Aber es ist nur ein Sieg in der Serie, nicht mehr und nicht weniger.
Wir müssen nun gut und hart trainieren um die Wende zu schaffen. Das erste Halbfinale ist schon abgehakt und wir fahren mit einem positiven Spirit nach Klagenfurt. Dort werden wir alles dran setzen einen Sieg einzufahren.